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Ihr Sprachtrainer in Neuss & Düsseldorf
Themenreihe: Was sollen die Anderen bloß denken?
Ein sehr persönliches Anliegen
Es ist mir persönlich schon in der Schule aufgefallen: Keiner weiß es, aber keiner fragt danach. Warum? Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, sich gar zu blamieren. Im schlimmsten Fall haut der Lehrer selbst noch in die kerbe und stellt den fragenden Schüler ob seiner „bescheuerten“ Frage vor versammelter Mannschaft bloß – und man ist das Gespött der ganzen Klasse. Wenn dem wirklich so wäre, dann müsste die Welt voller Ignoranten und Ar***er sein. Ist sie aber nicht! Nur Fragenden kann geholfen werden!
In dieser kleinen Themenreiher möchte ich meine Erfahrungen aus Leben und Beruf teilen. Ihr seid dabei herzlichst eingeladen unter jedem Beitrag zu kommentieren und aus eurem Leben zu berichten und zu teilen.
Also, packen wir’s an!
Mit Fehlern lernen
Warum nicht mal mit Fehlern lernen? Ich behaupte einmal, dass wir alle mit einer Mentalität groß geworden sind, dass wir Fehler weitestgehend vermeiden sollten. Gut, man sollte natürlich in seiner Profession nach wie vor den Anspruch von fehlerfreier Arbeit aufrechterhalten, allein schon, um auch professionell zu wirken. Warum erlauben wir uns jedoch beim Lernen keine Fehler? Fehler, aus denen wir lernen können, wie man es nicht macht?
Das hat aus meiner Erfahrung heraus mehrere Vorteile: Eben durch diese Fehler entwickelt man ein besseres und natürlicheres Sprachgefühl. Zusätzlich hat man mitunter lustige Fehler, die so markant sind, dass sie sich einprägen und uns immer wieder zum Schmunzeln oder Lachen auffordern. Und zu guter Letzt: Wir schaffen es eh nicht am Anfang fehlerfrei zu sprechen. Sie begleiten uns bei den ersten Schritten, diese vermaledeiten Fehler.
Wichtig ist es dann nur, dass jemand da ist, der diese dann korrigiert. So habe ich zumindest zu einem großen Teil Sprachen erlernt und mich darin verbessert und Selbstvertrauen und -bewusstsein in ihnen entwickeln können. Das versuche ich meinen Schülern weiterzugeben.
Wieso sollte es peinlich sein?
Wieso gönnen wir uns keine Fehler? Zugegeben, jetzt alles falsch zu machen und nichts daraus zu lernen, ist auch keine Lösung. Das meine ich jedoch nicht.
Viele, besonders in der Schule, trauen sich nicht, einen Gedanken zu äußern, eine mögliche Lösung zu präsentieren, aus der Angst heraus, man könnte einen Fehler machen, aus der Angst heraus sich zu blamieren. Dass alle hinterher mit ihren Fingern auf ihn zeigen, begleitet mit den durchbohrenden Blicken und dem nicht ausgesprochenen Vorwurf: „Wie konntest Du DAS denn bloß nicht wissen?!“
Ein kleiner Schwenk aus meiner Erfahrung:
Die wenigsten denken so, sie sind gelegentlich eher dankbar, dass jemand die Frage gestellt hat. Und die wenigsten, die tatsächlich den Vorwurf formulieren, mit denen möchte man eh nichts zu tun haben (das Faszinierendste dabei ist: Um solche Leute machen wir uns allerdings die meisten Gedanken…).
Angenommen, wir wären alle fehlerfrei – wofür bräuchten wir dann noch Schulen, Fortbildungen, Kurse? Sie sind ja eben genau deswegen da, damit wir einfach mal etwas versuchen, einmal einen falschen Weg einschlagen dürfen und Rückschlüsse daraus ziehen können. „Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten!“ – Dieses Motto sollte dabei generell gelten.
Aus jeder scheinbar dummen Frage kann ein einer persönlich etwas Wertvolles schöpfen, sei es noch so marginal. Und genau hier tut einigen ein gewisses Maß an Egozentrik gut – „Was kümmern mich die Meinungen Anderer? ICH will das jetzt wissen!“ Und für sich einzustehen und zu sprechen sollte keinem peinlich sein!
Denkt ihr genauso oder betrachtet ihr das ganz anders? Ich bin auf eure Beiträge sehr gespannt!
Die Scham vorm Sprechen
Zwei Schüler, anderthalb Stunden, der eine eher extrovertiert, die andere eher schüchtern. Nun könnte man es sich einfach machen, den Sprachunterricht mit dem Jungen wuppen, das Mädel komplett ignorieren, denn sie macht ja eigentlich nicht wirklich mit. Nun schafft mal das Unmögliche: Beide sollen lernen und Spaß dabei haben (so gut es eben beim Unterricht geht). Wie würdet ihr das anstellen?
Einfach Aufgaben verteilen und lösen lassen? Oder doch lieber einen Text lesen? Der Mensch mag jedoch eher die Herausforderung, das Gefühl, eine Hürde überwunden zu haben. Und welche größte Hürde gibt es als die zu sprechen? Zugegeben, wir kennen alle die Person Marke Rampensau, die einfach drauf lossabbelt und sich hinterher wundert, dass sie z.B. einen Tee anstelle des bestellten Kaffees bekommt. Diese Menschen kommen immer durchs Leben.
Nein, es sind die Mauerblümchen, die schüchtern an ihren Locken drehen, sich in das Buch vergraben, in der Hoffnung, man bemerke sie bloß nicht. Wie lockt man diese Personen hinterm Ofen hervor?
Es kann dauern, manchmal sogar Monate, allerdings, sobald der Knoten geplatzt ist, zeigen sie sich als die dankbarsten Schüler. So auch mit unserem schüchternen Mädchen. Am Anfang reicht es eigentlich schon aus, sie mit einer Begrüßung auf Englisch anzusprechen und sie zu bitten, in einem kompletten Satz zu antworten – frei nach dem Motto: „Was soll denn schon passieren? Im allerschlimmsten Fall sagt der Lehrer: „Nö, das war falsch!“ Macht dann nix, dann weiß man zumindest schon einmal was man verbessern muss.
Danach können wir unser schüchternes Mädel Alltägliches fragen: „Wie war das Wochenende? Wie war die Schule?“ etc. – so führt das eine langsam vom Hütchen zum Stöckchen. Dabei immer wieder ermutigen nicht vergessen. Das hat zwei Effekte: Erstens: Sie verliert langsam die Hemmung zu sprechen und zweitens: Sie bedankt sich als erste für eine tolle Stunde und möchte dann keinen anderen Sprachtrainer mehr haben. Ein besseres Feedback kann es nicht geben.
Weniger reden, mehr Action
„Eigentlich kann ich es doch!“, „Ich habe Angst, etwas Falsches zu sagen!“ Solche Sätze habe ich habe ich schon sehr häufig gehört. Und was machen sie, diese Äußerungen? Sie verleiten uns dazu, etwas nicht zu wagen. Manchmal denken wir viel zu sehr über etwas nach, blockieren uns dadurch. Nun sind Bedenken bis zu einem gewissen Grad auch förderlich, lassen sie uns doch Übermütiges vermeiden. Aber beim Lernen? Was kann uns da schon passieren? Im schlimmsten Falle sagt der Lehrer „Das ist nicht richtig!“ – das war’s… nichts weiter… nada! Null! Keine Konsequenzen, kein Nachspiel! Trainings und Schulungen bieten ja die Möglichkeit, auch einmal einen komplett falschen Gedankenansatz auszuprobieren. Hierin können wir uns komplett austoben, Ideen versuchen und aus ihren Fehlern lernen. Hier können wir ein Gefühl entwickeln, was richtig und was falsch ist. Warum es also nicht ausprobieren?
Und wenn es mal eben ein Gruppenkurs, Sprachtraining oder -event ist, was soll’s? Alle Teilnehmer nehmen eben NICHT daran teil, weil sie es schon wissen, sondern weil sie genauso unbeholfen sind in dem, woran sie teilnehmen. Ich als Sprachtrainer gehe ja schließlich nicht auch wieder das x-te Mal in einen A1-Sprachkurs, weil ich es den anderen beweisen möchte. Ich suche mir immer wieder neue Herausforderungen aus, weil ich meine Wissenslücken schließen und mich weiterentwickeln möchte.
Wagt einfach mal in einem Training zu fragen, auszuprobieren, auch bewusst Fehler zu machen. Wie es der Titel des Beitrags schon sagt: „Weniger reden, mehr Action!“
„Das habe ich noch von keinem Sechstklässler gehört!“
Nun einmal ein etwas ungewöhnliches Beispiel zweier Schüler. Das Einzige, was wir machen, ist Englisch sprechen. Warum? Sie möchten weder Grammatik noch Vokabeln lernen (das tun sie ja eh schon in der Schule). Sie möchten schlichtweg das Sprechen üben. Gesagt, getan – jede Woche wird gesprochen, werden Sätze geübt, wiederholt, auf die Aussprache geachtet und der Wortschatz dadurch erweitert. Unterschätzt das nicht, auch sprechen will gelernt sein. Nur so lernen wir intuitiv zu sprechen und nicht erstmal einen deutschen Satz gedanklich in Englische zu übersetzen.
Nun stand bei beiden eine Klassenarbeit an. Da muss wohl auch eine Art Sprechübung drin gewesen sein, denn was sie mir in der darauffolgenden Stunde berichteten, war, dass sie Fragen mündlich beantworteten mussten. Dabei hatten sie ihre Lehrerin recht sprachlos hinterlassen. Was war passiert? Ich hatte ihnen vorher erzählt, dass das Wort „but“ im Englischen eigentlich fad, öde, ja sogar am Satzanfang hässlich wirkt. Stattdessen kann man das schönere Wörtchen „however“ benutzen. Es hat die gleiche Bedeutung, klingt jedoch schöner (wie im Deutschen: „aber“ ist nicht so hübsch wie „jedoch“, „allerdings“ usw.).
Und was ist dann geschehen? Die zwei Jungs haben genau das berücksichtigt und „but“ weitestgehend vermieden. Mit dem Ergebnis, dass die Englischlehrerin ziemlich baff war und sagte: „Das habe ich noch von keinem Sechstklässler gehört!“.